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Nebelrätsel



Hastig schaute sich Liona um.

„Verdammt!“, rief sie, als sie die beiden Verfolger auf den Motorrädern entdeckte, die näher und näher kamen. Die Endstation der Flussgondelbahn war bald erreicht. Liona sah sich immer wieder nach ihnen um.


Fluchend stellte sie fest, dass der Bahnhof ihr die Sicht auf die beiden nahm. Die Bahn hielt an und sie stieg aus. Sie raste die Treppe hinunter so schnell ihre Füße es ihr erlaubten, wandte sich dann nach rechts zum Abfahrtssteig der nächsten Bahn. Gleich zwei Stufen auf einmal nehmend, stieg sie die Treppen empor. Sie schaute auf die Fahrtentafel. Abfahrt in fünf Minuten. Das würde knapp werden.

Eilige Schritte hinter ihr drangen an ihr Ohr. Mit geschärften Sinnen drehte sie sich unheilschwahnend um. Ihr Körper war gespannt wie eine Bogensehne. Da waren sie schon. Ihre Verfolger holten sie ein und trieben sie in die Enge.

`Wohin? Wohin? Wohin? Weg! Weg! Weg!´, hämmerte es in Lionas Kopf. Ihre Gedanken überschlugen sich während sie die letzten Stufen zurück nach oben erklomm.

Sie drehte sich einmal um ihre eigene Achse und suchte nach einer Fluchtmöglichkeit. Dann riss sie mit verschwitzten Händen ihren Bogen aus der Tasche und einen Pfeil mit Gummiseil aus dem Köcher, zielte aufs Bahnhofsdach und traf.

Sie zog kurz am Seil um die Festigkeit zu prüfen, rutschte ab und stolperte kurz. Jede Sekunde war eine Sekunde zu spät.

Keine Zeit zu verlieren.

Das Seil musste halten.

Sie ging das Risiko ein, schwang sich bis zum letzten gegenüberliegenden Bahnsteig und fing den Sturz mit einer Vorwärtsrolle ab. Sie blickte sie sich um. In diesem Moment kamen ihre Verfolger die Treppe hoch und sahen Liona. Mit einem kräftigen Zug rettete sie ihr Gummiseil, stopfte es mit der einen Hand in die Tasche, während sie mit der anderen ein Kletterseil herauszog und zur abgrenzenden Bahnhofsmauer rannte, die einen offenen Blick auf den Fluß bot.

Flink befestigte sie ihr Seil am Geländer und stieg hoch. Erneut schaute sie zurück und traf die Blicke ihrer Verfolger. Kurzerhand machten der Mann und die Frau kehrt.

Ihre rennenden Schritte hallten bedrohlich durch den Bahnhof.

Liona seilte sie sich in einer Bewegung an der steilen Wand zum Loireufer hin ab und kam heil unten an. Sie ignorierte die wie Feuer brennenden und aufgescheuerten Hände.


Ein Dampfhorn tutete vom Fluss und Nebel wallte vom Fluss herauf, der ungewöhnlich schnell größer wurde und Geräusche sowie Konturen bald verschluckte.


Der Mann und die Frau kamen näher, sie sahen in der dicken Nebelsuppe nur einen Hauch von Lionas Schatten und hörten das Knirschen ihrer Schritte auf den Kieselsteinen die das Flussufer säumten. Plötzliche Kälte lies sie frösteln. Trotzdem verfolgten sie sie so schnell, als hätten sie Flügel an ihren Füßen.


Plötzlich war die Flüchtende verschwunden und ihren Verfolgern entronnen. Der Nebel lichtete sich und verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Jetzt erst gelangten die Frau und der Mann wutentbrannt am Ufer an. Von Liona war weder etwas zu sehen, noch zu hören. Auf der Loire lag in der Ferne nur der Nebel, der sich in die Ferne zurückzog.

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Signum der Autorin Yvonne Beetz