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Primula Veris



Stürmenden Schrittes verlies sie den Schuppen.

„Das ist mir schnurzpiepegal!“, schrie sie und knallte die Tür hinter sich zu.

So ein Idiot!

Sie könnte sich in den Hintern beißen!

Über den knirschenden Kies erreichte sie am Ende des Weges Gewächshaus neunzehn, dem ältesten auf dem Gelände. Viktorianisch schön mit Lilienenden am grünablätternden Eisengerüst.

Mit dem Zipfel ihrer Gartenschürze wischte sie sich beim Eintreten in die schwüle Feuchte eine Träne aus dem Augenwinkel.

Auch noch wegen dem zu heulen!

Niemand sollte sie in einem solchen aufgewühlten Zustand sehen. Ihre Schwächen gingen keinen etwas an.

Mittendrin blieb sie stehen, verschloß ihren Blick in die Dunkelheit und atmete tief den süßen Duft des gelben Meeres um sie herum ein, bis sich ihr Herzschlag beruhigt hatte.


Erst dann öffnete sie die Augen und ergötzte sich an der gelben Flut von Schlüsselblumen.

Männer!

Was waren sie im Vergleich zu diesen floralen Schönheiten.

Nichts.

Sie schlenderte durch die Reihen, brach, im Gegensatz zu ihren hier zahlreich gedeihenden Geschwistern, einen Blütenstengel mit einem schweren Dutzend hängender Gelbkörbchen ab. Ging zur Mauer am hinteren Giebel, strich damit dreimal schwenkend über eine bestimmte Stelle aus der sich ein Portal bildete.

Lächelnd erblickte sie die grasgrüne und blumenbunte Wiese. Hummeln, Bienen und Käfer summten in der warmen Sommerluft. Gräserpollen schwirrten dazwischen. Wie die Schirmchen von Pusteblumen reckte sie sich mit dem Wind, erhob ihr Haupt und trat gestärkt ein - in ihre Welt.

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